Presse

Hier finden Sie unsere Presseerklärung anläßlich der Ausstellungseröffnung und Ausschnitte aus Reaktionen der Tagespresse.

Presseerklärung

Folgende Presseerklärungen sind anläßlich der Ausstellungseröffnung "Mies van der Rohe im Nachkriegsdeutschland. Das Theaterprojekt, Mannheim 1953" vom Kurator Thilo Hilpert herausgegeben worden:

Pressereaktionen

Ludwig Mies van der Rohe
Ein Visionär für das Praktische
Ausstellungen in Berlin und Dessau würdigen das Werk des bedeutenden Architekten und Bauhausleiters

    " In einer kleinen, heute zu eröffnenden Schau im Dessauer Kandinsky-Klee-Meisterhaus wird am Wettbewerb um den Neubau des Nationaltheaters Mannheim ein exemplarischer Fall westdeutscher Nachkriegs-Architektur beleuchtet. (...) In welche politischen Konflikte der Amerika-Emigrant nach dem Ende der Nazi-Architektur geraten sollte, hat Thilo Hilpert nun für die Dessauer Schau dokumentiert. An der Diskussion um den Neubau der Mannheimer Bühne, der als Schiller-Schrein am 13. Januar 1957 durch Erwin Piscators Inszenierung der "Räuber" eröffnet wurde, zeigt er eklatante Widersprüche zwischen weltläufigem Gestus und provinziellem Horizont - ein Lehrstück auch und gerade für heutige Wettbewerbspraxis. (...) Was Mannheim damit verloren ging, ist nun im Original-Modell zu sehen: Ein an deutlich sichtbaren Stahlträgern aufgehängter, rundum verglaster Funktionsbau, der den Schauplatz Bühne ins Verhältnis zur urbanen Umgebung setzt und keine Chance zur Isolation der Kunst vom Leben bietet. "

    Von Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 11.01.02


Die Rückkehr, die nicht stattfand
Ludwig Mies van der Rohes Mannheimer Theaterprojekt von 1953 - ein Wendepunkt der deutschen Nachkriegsarchitektur?
Eine Ausstellung in Dessau

    " Dreißig Jahre lang war Mies in Deutschland tätig, dreißig Jahre lang - ab 1938 - in den USA. Was aus diesem Raster herausfällt sind seine beiden späten deutschen Vorhaben, die Neue Nationalgalerie in Berlin als letzte Arbeit überhaupt und das Mannheimer Theaterprojekt. Das Neubauvorhaben des Mannheimer Nationaltheaters bezeichnet einen Eckpunkt der deutschen Nachkriegsarchitektur - für die Bundesrepublik, aber auch für die DDR. Thilo Hilpert, Architekturhistoriker aus Wiesbaden nennt ihn gar den "wichtigsten Entscheidungspunkt der deutschen Nachkriegsmoderne". Er hat dazu eine Ausstellung erarbeitet, die jetzt in Dessau gezeigt wird. (...) Mannheim hatte ein anspruchsvolles Bauprogramm vorgelegt, ein Haus mit zwei Bühnen. Alle Architekten antworteten mit Entwürfen, die die beiden Bühnen äußerlich lesbar machen - bis auf Mies. Er schickte eine Holzkiste mit dem ausgefeilten 1:100-Modell einer riesigen, rechteckigen Halle. (...) Jury und Öffentlichkeit waren wenig angetan. Eine "Werkhalle" nannte eine Lokalzeitung den Entwurf. (...) Brisanz erfuhr die Mannheimer Konkurrenz durch die heftige Polemik, mit der der gleichfalls beteiligte Kölner Kirchenbaumeister und Vertreter einer "konservativen Moderne", Rudolf Schwarz, über das Bauhaus insgesamt herzog ... Die anschließende Debatte trug das ihre dazu bei, die emigrierten Bauhäusler aus Deutschland fern zu halten. Dasselbe ereignete sich für die DDR. (...) Das Erbe des Bauhauses blieb in der DDR verfemt bis in die siebziger Jahre hinein. (...) Wendepunkt der Nachkriegsarchitektur? Dazu bleibt die - einfallsreich in die Räume des Kandinsky-Klee-Hauses komponierte - Dessauer Ausstellung zu stark auf ihr Thema beschränkt. Der umfangreiche Katalog bietet reiches Material ... "

    Von Bernhard Schulz, Der Tagesspiegel, 14.01.02


Mies in Mannheim
Eine Ausstellung in Dessau

    " Ludwig Mies van der Rohe, der 1938 nach Amerika emigriert war, mußte nach 1945 mehrere Anläufe unternehmen, ehe es ihm mit der Neuen Nationalgalerie in Berlin gelang, noch einmal in Deutschland zu bauen. So wurde Mies bereits 1953 - zusammen mit fünf weiteren Architekten - eingeladen, sich an einem Wettbewerb für das neue Theater im kriegszerstörten Mannheim zu beteiligen. (...) Doch Mies´ Raumvision wurde nicht verwirklicht. (...) Eine von Thilo Hilpert erarbeitete Ausstellung in den Meisterhäusern Kandinsky-Klee in Dessau dokumentiert jetzt die Mannheimer Wettbewerbsgeschichte und bettet sie in die Architekturdiskussion im Nachkriegsdeutschland ein, die durch die Bauhaus-Kritik von Rudolf Schwarz entscheidend mitgeprägt wurde. Die kleine Ausstellung zeigt ... als Glanzstück das originale Architekturmodell, das Mies in den USA anfertigen ließ, sowie die Kiste, mit der es nach Deutschland transportiert wurde. Die etwas zu knapp geratenen Erläuterungen in der Ausstellung werden durch einen lesenswerten Katalog ergänzt. "

    Von Jürgen Tietz, Neue Züricher Zeitung, 05.02.02


Bauhaus banal
Die Geschichte des Mannheimer Theaterprojekts von Ludwig Mies van der Rohe - Ausstellung in den Meisterhäusern in Dessau

    " Man hätte Architekturgeschichte im Nachkriegsdeutschland schreiben können. Doch die Mannheimer Stadtväter verließ im Frühjahr 1953 wohl der Mut. Der Mut nämlich, etwas ganz Außergewöhnliches zu schaffen, der Stadt mit dem Neubau des Nationaltheaters ein Signum der Moderne zu verleihen. (...) Recht schnell wird beim Rundgang durch die Ausstellung wie bei der Lektüre des Katalogs deutlich: Es ging um mehr als nur um Mannheim und um den Neubau des Nationaltheaters am Goetheplatz. Es ging um einen Paradigmenwechsel in der deutschen Architektur nach dem zweiten Weltkrieg, ging um Rehabilitation und neuerliche Diffamierung des Bauhauses; ging um das "Wie" des Wiederaufbaus in den zerstörten deutschen Städten. Ein Paradigmenwechsel, der ausblieb: "Das Theaterprojekt, das nicht als Signal verstanden wurde, kam zu früh. Kein kulturelles Signal ging dem wirtschaftlichen Aufstieg voraus", schreibt Thilo Hilpert im Katalog. (...) "

    Von Frank Pommer, die Rheinpfalz, 09.02.02


Heimkehr zwecks Neuanfang
Eine Dessauer Ausstellung rekapituliert das erste Bauvorhaben Mies van der Rohes im Nachkriegsdeutschland

    " Weniger ist mehr - dieser Leitsatz von Ludwig Mies van der Rohe wird durch die gegenwärtige Rezeption des Meisterarchitekten glatt ins Gegenteil gekehrt. Nicht weniger als drei Werkschauen, eine opulenter als die andere, sind derzeit allein in Berlin zu besichtigen. Zu guter Letzt ist jetzt auch in Dessau eine weitere Präsentation eröffnet worden: Das hat gerade noch gefehlt, muß man denken. Genauso soll es sein. Tatsächlich betont diese Ausstellung eigene Akzente: Statt, wie es laut Kurator Thilo Hilpert bisher die Regel war, das Material der im Sommer in New York präsentierten Schauen zu übernehmen, bevorzugte der Wiesbadener Baugeschichtsprofessor zeitgenössische Pressetexte sowie aktuelle Augenzeugenberichte heimischer Herkunft. (...) Und anders als in Parallelveranstaltungen, die Werk an Werk reihen, bis bestenfalls der kleinste gemeinsame Nenner übrigbleibt, versuchte der Kurator, aus einem einzigen Entwurf maximale Erkenntnis zu ziehen: Mies´ Beitrag zum Nationaltheater Mannheim. (...) ...ist die Schau beileibe nicht nur etwas für Mies-Fans. Vielmehr dürfte sie neben allgemein an Architektur Interessierten auch Heimatforscher ansprechen. Angesichts des Sujets - Exilant trifft sein sich selbst fremd gewordenes Vaterland - darf man gar ein Exempel zu der ewigen Frage erwarten, die zuletzt beim Hauptstadtprojekt und dem Berliner Architekturstreit aktuell war: Wie viel vertrautes und wie viel Innovation ist notwendig, um Identität zu stiften? (...) "

    Von Hans Wolfgang Hoffmann, Frankfurter Rundschau, 12.02.02



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